Historische Fotografie einer Straßenecke in Oldenburg um 1900 mit einem Gebäude, in dem sich ein Kolonialwarengeschäft mit der Aufschrift „Kolonialwaren H. Wefer“ und „Cigarren“ befindet.

[K O N•T I•N U•I•T Ä T]

Substantiv, feminin

Phänomen eines fortdauernden Zustands, der ohne maßgebliche Veränderungen bzw. Einschnitte im Kontext bestimmter Strukturen, Verhältnisse und Prozesse über einen entsprechenden Zeitraum hinweg besteht.

Ankündigung eines kolonialrevisionistischen Films im Oldenburger Ziegelhof-Kino mit dem Kriegsverbrecher General von Lettow-Vorbeck als Ehrengast, ca. 1950er Jahre. © Stadtmuseum Oldenburg

Kolonialismus wirkt bis heute fort

In der begrifflichen Annäherung an den Kolonialismus haben wir festgehalten, dass dessen historisches Erbe bis in die Gegenwart hinein spürbar ist. Einerseits basiert die Lebensrealität weißer Dominanzgesellschaften noch immer auf der Ausgrenzung von BIPoCs. Andererseits existiert nach wie vor kein Bewusstsein für den Zusammenhang von (neo-)kolonialer Ausbeutung und dem heutigen Wohlstand in West- und Mitteleuropa.

Vergangenheitsnarrative schaffen Verdrängung

Durch fehlende Kontextualisierungen und ausbleibende Kritik schaffen wir als Gesellschaft eine Distanz zur Thematik des Kolonialismus. Indem wir Kolonialverbrechen lediglich als Teil einer historischen Epoche betrachten, wird der Auseinandersetzung damit erhebliche Brisanz genommen – immerhin sprechen wir so „nur“ über etwas, das bereits lange Zeit abgeschlossen scheint. Doch das ist ein gravierender Fehler. Aus kolonialrassistischen Motiven entstandene globale Macht-, Herrschafts- und Ungleichheitsverhältnisse bestehen weiter fort und sind kulturell, institutionell und in sozialen Strukturen fest verankert. Kolonialismus ist ein System der Dominanz und Gewalt, das überdauert und unser Denken und Handeln (un-)bewusst bestimmt.

Ausbeutung im globalen Maßstab – damals wie heute

Auch heute beuten europäische Länder Rohstoffe und Arbeitskräfte in Regionen des sogenannten „Globalen Südens“ aus. Wirtschaftsbeziehungen sind vorrangig auf die Bedürfnisse der Menschen im sogenannten „Globalen Norden“ ausgerichtet. Neben ökonomischen Aspekten zeigen sich koloniale Kontinuitäten auch in den Bereichen der Wissensproduktion, der Erinnerungskultur und der Art und Weise, wie Geschichte(n) erzählt wird.

Koloniale Spuren im Stadtbild Oldenburgs

In Oldenburg sind diese Kontinuitäten wie in vielen anderen deutschen Städten deutlich sichtbar: koloniale Straßennamen, Denkmäler, rassistische Begriffe oder Bildmotive in alltäglichen Kontexten oder durch entmündigende Konzepte wie das der „Entwicklungsarbeit“. Anstatt koloniale Denkweisen und die bestehenden globalen Machtverhältnisse zu überwinden, werden sie so in unserem Bewusstsein weiter festgeschrieben.

Widerstand als Teil der Geschichte und Gegenwart

Gleichzeitig gibt es auch Kontinuitäten im antikolonialen Widerstand. Denn wie der Kolonialismus selbst sind auch die damit verbundenen Konsequenzen und Auswirkungen keine Einbahnstraße, sondern stehen in einem Wechselverhältnis zueinander.