Selbstverständnis des Arbeitskreises
Der Arbeitskreis „Koloniale Kontinuitäten Oldenburg ist ein freier Zusammenschluss aus unterschiedlichen Organisationen, Verbänden, Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen. Wir haben das Ziel, mit unterschiedlichen Mitteln die koloniale Vergangenheit, die Verwobenheit von Kolonialismus und Rassismus sowie die Kontinuitäten des Kolonialismus bis in die Gegenwart in Oldenburg offenzulegen, aufzuarbeiten und kritisch zu reflektieren.
Wir treten ein für eine Erinnerungskultur, die aufzeigt, welche Gewalt und welches Unrecht mit der Kolonialisierung einherging und auch heute noch geht. Dazu zählt auch der Handel mit versklavten Menschen und die Kolonisierung in überseeischen Gebieten sowie in Osteuropa. Wichtig ist uns dabei, an den Widerstand der kolonisierten und versklavten Menschen zu erinnern. Erinnerung soll aber nicht auf symbolische Gesten reduziert werden. Es geht somit auch darum, Prozesse zu initiieren, die Macht und Herrschaftsverhältnisse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft konkret verändern.
Dieses Ziel wollen wir mit einer kritischen Forschung, kulturellen Angeboten, Bildungsarbeit und Aktivismus in unterschiedlichen Kontexten erreichen. Dabei sind wir offen für alle Menschen, welche sich mit diesen Zielen identifizieren und sich gegen Diskriminierung jedweder Art wenden. Wir sind keine homogene Gruppe, sondern kommen selbst aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, wie etwa dem Kulturbereich, der Universität, dem Aktivismus oder der Bildungsarbeit. Einige von uns machen negative Erfahrungen mit Rassismus, andere werden durch Rassismus privilegiert. Außerdem sind wir sind keine geschlossene Gruppe, sondern ein offener Arbeitskreis, der verschiedene Perspektiven nebeneinanderstehen lassen kann.
Auch ist es uns wichtig, dass wir unsere Arbeit in der Weise gestalten, dass möglichst viele Menschen einen Zugang dazu finden. Die Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und daher ist entscheidend, dass Verwaltung, Politik und Wirtschaft und zivilgesellschaftliche Akteur:innen gemeinsam tätig werden und Verantwortung übernehmen. Deswegen ist Vernetzung eine wichtige Aufgabe des Arbeitskreises: Wir wollen vielfältigen Gruppen einen Raum geben, die aus unterschiedlichen Perspektiven am Thema arbeiten.
Zugleich wollen wir allen Menschen die Möglichkeit geben, ein Bewusstsein für das Thema zu entwickeln. Konkret heißt das für uns, dass wir unterschiedliche Veranstaltungsformate entwickeln wollen und nicht nur akademische Debatten führen, sondern möglichst viele unterschiedliche Menschen sind willkommen.
Unsere Ziele
Wir wollen dazu beitragen,
- Ein Gesamtkonzept für die Stadt Oldenburg zu erarbeiten, welches explizit auf eine dekoloniale Erinnerungskultur ausgerichtet ist. Diese umfasst die Thematisierung der Kolonialgeschichte als Unrechtssystem, die Erinnerung an die Gewalttaten und den damit verbundenen Handel mit verklavten Menschen sowie den Widerstand der Kolonisierten. Zugleich ist sie darauf ausgerichtet, koloniale Macht und Herrschaftsverhältnisse und deren Kontinuitäten offenzulegen sowie Prozesse der Veränderung zu initiieren.
- Einen Perspektivwechsel des postkolonialen Erinnerns durch eine breite Partizipation
- der Zivilgesellschaft insbesondere BIPoC Communities/Oldenburger*innen mit Rassismuserfahrungen sowie die Zusammenarbeit mit Museen, der Kommunalverwaltung, wirtschaftlichen Unternehmen und anderen interessierten Institutionen und Organisationen.
- Mit einer post/dekolonialen Perspektive möchten wir die Erforschung des Kolonialismus und seiner Kontinuitäten voranbringen und die Ergebnisse in die gesamte Gesellschaft vermitteln.
- Auseinandersetzungen mit Sprache anstoßen und unterstützen. Sprache ist kein neutrales Werkzeug, durch das Wirklichkeit dargestellt und vermittelt wird. Vielmehr strukturiert Sprache unser Denken und Wissen sowie Erkenntnisse. Sprache dient der Herstellung und Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen und Systeme und ist das wichtigste Medium im Umgang der Menschen miteinander.
- Angemessene Formen und Orte des dekolonisierenden Erinnerns und Gedenkens entwickeln sowie Prozesse einer gemeinsamen kritischen Auseinandersetzung und Reflexion kolonialgeschichtlich belasteter (Erinnerungs)Orte und Institutionen anstoßen und fortführen.
- Bildungsangebote (weiter)entwickeln und verstetigen. Den Dialog um Anerkennung von kolonialem Unrecht fördern, Widerstände gegen das koloniale Unrecht sichtbar machen und ggf. Entschuldigung und Entschädigung vorantreiben sowie zur Versöhnung beitragen. Gleichberechtigte Wirtschafts-, Handels- und Machtstrukturen fördern.
- Für Alltagsrassismus sensibilisieren, die Kontinuität von kolonial rassistischen Denkstrukturen sichtbar machen und strukturelle Diskriminierung und Rassismus abbauen. Diversitätsorientierte und diskriminierungskritische Strukturen in Verwaltung, Institutionen und Organisationen der Stadt Oldenburg aufbauen, fördern und entwickeln.
