Im Jahr 1892 wurde in Oldenburg eine Ortsgruppe der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG) gegründet. Diese Organisation, die 1887 durch die Fusion des Deutschen Kolonialvereins und der Gesellschaft für Deutsche Kolonisation entstanden war, setzte sich für die Förderung und Ausweitung deutscher Kolonialinteressen ein. In Oldenburg engagierten sich prominente Persönlichkeiten der Stadt in der Ortsgruppe, darunter Hans Oskar von Lettow-Vorbeck, der Onkel des berüchtigten Kolonialgenerals Paul von Lettow-Vorbeck.
Die Oldenburger Ortsgruppe der DKG war aktiv in der Verbreitung kolonialer Ideologien und unterstützte die deutsche Kolonialherrschaft durch verschiedene Veranstaltungen und Publikationen. Sie organisierte Vorträge, Ausstellungen und andere propagandistische Aktivitäten, um das Interesse und die Unterstützung der Bevölkerung für die deutschen Kolonien zu fördern. Ein Beispiel hierfür ist die Beteiligung an der Landesausstellung 1905 in Oldenburg, bei der ein sogenanntes „Somali-Dorf“ präsentiert wurde, in dem Menschen aus Ostafrika zur Schau gestellt wurden.


Hans-Oskar von Lettow-Vorbeck
Auf Höhe der Nordmoslesfehner Straße steht ein Gedenkstein zu Ehren des „Generalmajors von Lettow-Vorbeck“. Hans Oskar von Lettow-Vorbeck war Kommandeur des Oldenburgischen Infanterie-Regiments Nr. 91 und zudem der Onkel des Kriegsverbrechers und Kolonialrevisionisten Paul von Lettow-Vorbeck. Am 28. März erlitt der Generalmajor beim Radfahren einen Schlaganfall und ertrank im Küstenkanal. Der Stein an der Unfallstelle ehrt ihn bis heute.
Lettow-Vorbeck war der erste Vorsitzende der Oldenburger Kolonialgesellschaft und zudem auch als Verfasser der „Studien zur Kolonialgeschichte“ tätig.
Heinrich Theodor Christian Stalling
Eine weitere zentrale Figur innerhalb der Gesellschaft war der Verleger Heinrich Theodor Christian Stalling (1865-1941). Unter seiner Führung verlagerte sich der Schwerpunkt seines Verlags zunehmend in eine nationalkonservativ-militaristische Richtung. Diese Ausrichtung lockte später auch nationalsozialistische Autoren, die dort ihre rassistischen und kolonialen Propagandaschriften veröffentlichten. Stalling war zeitweise stellvertretender Vorsitzender der Kolonialgesellschaft und leitete zudem eine Vermittlungsstelle für ehemalige Angehörige der sogenannten „Schutztruppen“ in Oldenburg.


Walther Ahlhorn
Als ehemaliger kaiserlicher Bezirksamtmann in Okahandja im heutigen Namibia übernahm Walther Ahlhorn (1879-1961) 1920 den Vorsitz der Oldenburger Kolonialgesellschaft. Nach eigenen Angaben gelang es ihm, die Mitgliederzahl von 60 auf 350 zu steigern. Ein Grund dafür dürfte auch der Beitritt des „Vereins ehemaliger Kolonialkrieger“ gewesen sein. Dennoch versuchte Ahlhorn aktiv, stetig neue Mitglieder zu gewinnen.
Verbindungen zu kolonialer Gewalt
Die DKG-Ortsgruppe in Oldenburg war nicht nur in der Propaganda aktiv, sondern hatte auch direkte Verbindungen zur kolonialen Gewalt. Mitglieder der Gesellschaft, darunter auch lokale Soldaten, waren an der Niederschlagung von Aufständen in den deutschen Kolonien beteiligt, wie dem Herero- und Nama-Aufstand in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) und dem Boxeraufstand in China.
Die Aktivitäten der DKG in Oldenburg hinterließen Spuren, die bis heute in der Stadt sichtbar sind. Ein Gedenkstein für Hans Oskar von Lettow-Vorbeck erinnert an seine Rolle in der Kolonialgesellschaft. Zudem existieren noch immer Straßennamen und Denkmäler, die an die koloniale Vergangenheit erinnern. Doch wie an vielen anderen Orten zeigt die Stadt Oldenburg bis zum heutigen Tag keinerlei Bemühungen, die Verehrung dieser Personen aufzuarbeiten oder zu kontextualisieren.









